Konzeptbeschreibung und Nachbericht zum Projekt MIO
„RIO“ war angelegt als Assoziation zum Film „Rhythm is it“ (s.o.)
„MIO“ ist nicht nur ähnlich klingend, es hat einen tieferen Aspekt:
in „The Music Is Ours“ steckt auch ein Anspruch, den wir uns für das Projekt gesetzt haben.
„Es ist UNSERE Musik“ – davon kann eigentlich keine Rede sein, wenn man das Verhältnis heutiger Jugendlicher zu der von ihnen konsumierten Musik betrachtet.
Erste Gedanken zu MIO kamen während der Arbeiten an der von den Jugendlichen ausgewählten Musik,
beim befremdeten erwachsenen Betrachten im Sinne von
“ was hört Ihr Euch da eigentlich an?
habt Ihr eigentlich eine Ahnung, worum es da geht?
habt Ihr eine Ahnung, wie man sowas zusammennagelt?“
Die Grundidee von MIO ist, mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam „ihre“ Kultur, „ihre“ Hits genau unter die Lupe zu nehmen
worum geht es hier
wovon wird gesprochen
wie macht man solche Musik
was ist zu sehen (Musikvideos bei abgedrehtem Ton werden unglaublich schnell unglaublich albern!)
was wird eigentlich erzählt und
wie wurde das gemacht
wer hat das gemacht
und
was macht das mit uns
und
wenn wir selbst ein Video drehen könnten – was wollten wir dann erzählen, was wäre uns wichtig?
Die Idee zum eigenen Video mit der eigenen Musik, der eigenen Choreographie, selbst komponiert, selbst produziert, selbst gefilmt und selbst geschnitten soll entwickelt und dann umgesetzt werden.
Selbst wenn das Ergebnis inhaltlich nicht sehr weit weg vom Gewohnten sein sollte – der Unterschied wäre trotzdem riesig, weil dahinter die Erkenntnis stünde, wie so etwas gemacht wird und „the music is ours“.
Den Jugendlichen, vor Allem den Hauptschülern „ihre“ Musik zurückzugeben, das wäre ein viel zu hoher Anspruch, denn – sie hatten sie nie.
Ihnen aber einen Einblick in die Mechanismen der von ihnen konsumierten „Ware“ zu verschaffen, das sollte machbar sein und wird mit Sicherheit Auswirkungen auf das weitere Konsumverhalten haben.
Geplant sind neben Workshops zu Analyse des Materials
Filmworkshops über die Landesbildstelle (Kamera, Filmschnitt, Filmkunde)
Studioworkshops in unserem Studio (Aufnahmetechnik)
Komposition (klingt hochtrabend, ist aber nunmal so)
Textworkshop
Aufnahmen der Musik
Entwicklung eines Drehbuchs zu einem Video,
natürlich mit Tanz und Choreographie, hier der Rückgriff auf unsere „erfahrenen“ RIO-hasen
und
ganz
viel
grillen, Filme kucken, Ausflug machen, gemeinsame Erfahrungen ausserhalb des Schulalltags machen.
MIO – Danach:
Soweit, so gut.
Die Idee war nicht schlecht,
das Konzept war auch nicht schlecht (sonst wäre es auch nicht genehmigt worden)
aber die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten andere Pläne
Ingesamt 4 Workshops waren im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe gebucht.
Bereits am ersten Workshoptag produzierten 2 Mädchen statt einer kleinen Spielfilmstudie eine einfache Trickfilm-Studie,
einen Animationsfilm aus den vorhandenen Schauspielrequisiten, ohne Trickkamera, einfach mit „Kamera ein – Kamera aus -Kamera ein – Kamera aus – -“
Damit war das Thema „Animationsfilm“ auf dem Tisch und eröffnete einen Nebenstrang innerhalb des Projektes.
Dann waren da noch die Tänzerinnen, die sich vor Allem auf den Auftritt bei der Schultanzbegegnung vorbereiten wollten –
und die Filmleute, die nach wie vor einen Musikfilm drehen wollten.
So wurde jetzt auf drei Geleisen parallel gearbeitet:
Animationsfilm incl. Nachvertonungsworkshops im Studio der Musikschule in Horrenberg
Workshops zum Thema Animationsfilm ebenda plus Exkursion zum Animationsfilmfestival in Stuttgart
Als Sahnehäubchen Autogrammstunde beim Erfinder und Produzenten der Simpsons (David Silverman)
Parallel dazu
arbeiteten Bernd Öhlenschläger, Hansjörg Widmer und die Band an den Musikstücken, die die Tänzerinnen ihrer Choreographie zugrundegelegt hatten
formulierte Onurkan an seinem Rap-Text und machte Aufnahmen im Unterhofstudio
arbeiteten die Tänzerinnen unter Anleitung von Madeleine Krill und Anika Wöhr an ihrer Choreographie
Parallel dazu
wurden während der Workshops im ZKM erste Schritte am Schnittcomputer unternommen und kleine Filme gedreht und dann geschnitten
Die Ergebnisse dieser sehr ereignisreichen Zeit lassen sich am Mitschnitt der Schultanzbegegnung in Singen ablesen,
aber auch in den vielen kleinen Studien, die in dieser Zeit entstanden.
Stöbern Sie ein Bisschen rum!